Bericht: MSV – Kiel (3:1)

Was haben wir für Zeiten erlebt, Duisburg wieder aufersteht!
Auch ein paar Tage nach dem magischen Aufstiegstag weiß man nicht so recht, wie man das Erlebte in Worte fassen kann. Es entluden sich pure extatische Emotionen aus über 30.000 Körpern. Vor allem bei jenen, die auch in den zwei harten Drittligajahren immer an den MSV geglaubt und ihm die Treue gehalten haben. An den Rest können wir nur appellieren, sich den MSV auch mal in etwas graueren Zeiten reinzuziehen, dann schmecken Aufstiege oder besondere Siege eben noch viel viel besser.

Wie es sich für die Geschichte des MSV gehört, sorgte die tabellarische Konstellation für ein Drehbuch, das selbst den genialsten Hollywood-Autor in den Schatten stellt. Zweiter gegen Dritter. Heimspiel im Wedaustadion. Vorletzter Spieltag. Ausverkaufte Hütte. Ein Sieg und das zwischendurch nicht für möglich gehaltene Ziel Aufstieg wäre tatsächlich unter Dach und Fach. Noch vor zwei Jahren nach dem Lizenzentzug standen 10 Spieler beim Trainingsauftakt auf der Westender Straße. Der Verein stand vor einem absoluten Scherbenhaufen. Nun bebte die ganze Stadt und die jetzige Mannschaft hatte die Möglichkeit, mit einem Sieg Geschichte zu schreiben und den MSV wieder in den Profifußball zu ballern.

Eingeläutet wurde der Spieltag mit einem Marsch vom Hauptbahnhof zum Wedaustadion unter dem Ewig-Treu-Motto. Unter diesem Motto fanden sich nach dem Lizenzentzug vor zwei Jahren an gleicher Stelle tausende von blau-weißen Schlachtenbummlern zusammen, um in einem Demonstrationszug gegen den Lizenzentzug zu protestieren. Auch diesmal versammelten wir uns mit 3.500 Zebras und Ewig-Treu-Banner vorneweg. Nur die Vorzeichen waren diesmal völlig andere. Bis zum Kalkweg konnte man von einem sehr gelungenen Marsch sprechen, ehe die Cops durch die plötzliche Festnahme eines unserer Mitglieder den Abbruch einläuteten. Die mediale Berichterstattung sowie die Aussagen des Duisburger Polizeisprechers zu diesem Vorfall sind an Dreistigkeit und Unwahrheit nicht mehr zu überbieten. Aber wen wundert´s noch… Ziemlich gefrustet wurde der Restweg zum Stadion bestritten. Aufgrund des ungewohnten Andrangs verweilten wir nur wenige Minuten am Container und betraten verhältnismäßig früh den heimischen Stimmungsblock. Spätestens ab jetzt war die enorme Anspannung greifbar. Ab jetzt spielte sich alles wie im Film ab. Die Wedau füllte sich so rasant wie lange nicht mehr. Schon das Einlaufen von Torwart Ratajczak reichte aus, um die Nord erstmals richtig zum Kochen zu bringen. Danach betrat unsere Mannschaft das Feld. Kollektive Euphorie auf den Rängen. Auf geht´s Männer, jetzt oder nie!
Der Zebratwist ertönt. „Emm, Ess, Vau!!!“, schallt es bis in die südliche Nachbarstadt hinein, der man im nächsten Jahr wieder einen Besuch abstatten wird. Anlässlich ihres 35. Geburtstages zeigte Forever Duisburg eine Choreo auf der Nord. Glückwunsch auch nochmal an dieser Stelle, auf viele weitere sportliche Jahre!
13:30 Uhr. Anpfiff. In den ersten Minuten erreicht der Geräuschpegel in der Wedau ohrenbetäubende Zustände. Dann der Schock: Kiel geht nach nur 10 Minuten in Führung. Darf das denn wahr sein? Die ganze Saison über zu Hause ungeschlagen und ausgerechnet heute verlieren wir dieses unfassbar wichtige Spiel? Von wegen. Nicht in dieser Saison. Nicht mit dieser Mannschaft. Nicht mit dieser fanatischen Kulisse im Rücken. Kurz geschüttelt und weiter geht´s. Minute 20: Hajri steht nach einem super Zuspiel von Dausch völlig frei vor dem Tor und gleicht aus! Sauber, wir sind wieder da. Durchatmen. Aber nur kurz. Minute 22: Eine Flanke von Onuegbu kann der Kieler Torwart nur abfälschen, da steht Gardawski genau richtig und köpft zur Führung ein! Von „ausrasten“ zu reden wäre hier völlig untertrieben. Minute 27: Wieder Flanke von links und wieder steht Gardawski perfekt und netzt zum 3:1 ein!! Bitte, lieber Gott, bitte lass uns nur ein paar Minuten verschnaufen. Viel zu krank alles. Die 31.002 Zuschauer sahen ein reines Aufstiegs-Spektakel. Zwischendurch steht das ganze Stadion und animiert die Zebras dazu, den Störchen endgültig den Kopf abzureißen.
Halbzeit. 15 Minuten Zeit um durchzuschnaufen. Richtig realisieren konnte man das Geschehen auf dem Rasen nicht wirklich. Doch umso länger sich in der 2. Halbzeit das Ergebnis von 3:1 auf den Anzeigetafeln hielt, desto realer wurde das Aufstiegs-Szenario. Das Liedgut der Nord gestaltete sich mittlerweile zwar ziemlich monoton, aber den Umständen entsprechend musste man das an diesem Tag so hinnehmen.
Die 1.500 angereisten Kieler, die vornehmend in rot ihren Bereich bevölkerten, konnten kaum vernommen werden. Danke übrigens für eure Erkenntnis, dass in Duisburg die asozialsten Fans Deutschlands zu Hause sind. Ein größeres Kompliment kann man vom Kontrahenten nicht bekommen. Wer zudem eine „Zebras in den Zoo“-Choreo präsentiert, braucht uns keine mangelnde Kreativität beim Liedgut vorwerfen.

Wir schreiben mittlerweile die 85. Minute. Die Ersten hält nichts mehr im Block. Ab auf den Spielfeldrand. Plötzlich wurde es real. Der MSV wird hier und heute wieder in den Profifußball zurückkehren. Abpfiff. Und ab dafür!!! Über alles, was nach Abpfiff sowohl auf dem Rasen, als auch später an diversen Orten der Stadt passierte, können nur Bilder und Erinnerungen von jedem Einzelnen von sich sprechen. Einer unserer Krieger durfte ab Mitternacht die Fliesen eines ungemütlichen zellartigen Raumes zählen. Obwohl er dafür die ganze Nacht Zeit hatte, schwanken seine Angaben noch heute bei irgendwas um die 350 herum.

(Fast) am Ende dieser Saison können wir uns nur vor unserer Truppe aus Meiderich verneigen und ihr unsere größte Dankbarkeit aussprechen. Ob man diese Liga tatsächlich „nie mehr“ wiedersehen wird, bleibt natürlich offen. Wir können nur hoffen, dass diese Mannschaft die Weichen für eine bessere Zukunft des Spielvereins gelegt hat. Man hat anhand der letzten 12 Monate gesehen, was man erreichen kann, wenn Funktionäre und Spieler zusammenhalten. Daran gilt es, in den nächsten Spielzeiten anzuknüpfen.

So, liebe Zebras. Achtet jetzt noch auf unsere Ankündigungen: Mottoshirt kaufen, nach Wiesbaden fahren und weiter feiern! Scheiß auf den Streik, alle nach Wiesbaden! Der MSV ist wieder da!