Gedanken

Erhalt der Fankultur

Was für viele „normale“ Fußballfans wie eine daher gewehte Floskel klingt, ist für uns bitterer Ernst. Selbstverständlich können wir uns nicht als die Vorreiter im Kampf um den Erhalt unserer Fankultur sehen, dennoch werden wir Tag für Tag nur aufgrund unserer Mentalität, wie wir unseren Meidericher Spielverein bei Heim – sowie Auswärtsspielen unterstützen, nicht nur mit diesem Thema konfrontiert, sondern vor ernsthaften Problemen gestellt.

Selbst eine so Junge Gruppierung wie die PGDU muss mit Entsetzen feststellen, welche Dimensionen die Vermarktung unseres geliebten Sports erreicht hat. Dabei wollen wir nicht einfach nur von „Kommerzialisierung“ reden, schließlich steckt einiges mehr dahinter.

Wir sind in Deutschland „noch“ von der totalen Ligavermarktung entfernt.
Ein Beispiel aus Österreich gefällig:
Während Traditionsvereine aus Wien, Graz etc. in der „tipp3 – Bundesliga“ spielen, nennt sich die 2. Liga liebevoll „ADEG Erste Liga“.
Die momentane Spitze des Eisbergs symbolisiert der von Red Bull im Jahre 2006 völlig neu gegründete Verein „FC Red Bull Salzburg“. Neu gegründet? Im Grunde genommen falsch, da Red Bull sich einfach entschieden hat, die Lizenz des SV Austria Salzburg zu erwerben und aus diesem gefestigten Verein Red Bull Salzburg zu erschaffen, gleichbedeutend mit dem Tod der dortigen Fanszene und Tradition der Violetten Salzburger. Was seit bereits 4 Jahren mit sportlichem Erfolg in Salzburg steht, ist ein Retortenverein ohne jegliche Bindung zur Tradition, zur Fankultur und zu auch nur einem Wert, den der SV Austria Salzburg ausmachte.

Nun zurück nach Deutschland, finden wir dieses zu bedauernde Phänomen seit Mai 2009 auch in Leipzig wieder. Der „SSV Markranstädt“ ist seitdem Geschichte, die Zukunft lautet „RasenBallsport Leipzig“ oder auch nackt „Red Bull Leipzig“. RB Leipzig trägt die Heimspiele in der „Red Bull Arena“ aus, dem ehemaligen Zentralstadion.
Man könnte noch Unmengen an weiteren Beispielen aufzählen (die Übernahme englischer Profivereine durch Öl-Multimilliardäre, etc.). Dies würde jedoch den Rahmen sprengen.

Das dieser Zustand hier zu Lande noch nicht erreicht ist, liegt an der „50+1 – Regelung“, welche die mehrheitliche Übernahme eines Vereins durch einen Investor untersagt.
Es dürfte jedoch bekannt sein, dass Hannovers Präsident Kind sich dafür stark macht, diese Regelung endlich außer Kraft zu setzen.
Nun der Bezug zum MSV. In Verbindung mit den finanziellen Schwierigkeiten, in die sich unser Verein nach dem zweiten Zweitligajahr in Folge befindet, erwischte die Vermarktung der Stadionnamen auch uns. So schmückt seit dem Sommer 2010 ein gelbes Schild mit der Aufschrift „Schauinsland-Reisen-Arena“ die Haupttribüne des Wedaustadions. Ein Paradoxon spiegelt sich in der Tatsache wieder, dass der Fan fast dazu gezwungen wird, wieder den Namen Wedaustadion in den Mund zu nehmen. Oder doch MSV-Arena??…

Die Anstoßzeiten der 2. Liga stellen nicht nur unsere Gruppe, sondern ausschließlich alle Gruppierungen vor den in der Einleitung erwähnten Problemen.
Ist es etwa fanfreundlich, sich als Duisburger freitags um 18:30Uhr im Münchener Gästeblock befinden zu müssen, um den Verein seines Herzens zu folgen?
Oder montagabends um 20:15Uhr zur Prime-Time-Zeit in München? NEIN!
Es interessiert die Herren von DFB und DFL derart wenig, dass die treuesten Seelen eines Vereins weite Strecken zu unmenschlichen Zeiten antreten dürfen. Der Grund dafür dürfte erneut allen bekannt sein.

Als letztes wollen wir einen weiteren Zustand thematisieren, der in eine neue Dimension in der Personalisierung von Fußballfans stößt.
Seitdem in Italien die „Tessera del tifoso“ eingeführt worden ist, müssen die treuesten aller Treuen Anhänger künftig schauen, wie sie Ihren Verein bei Heim- und Auswärtsspielen unterstützen wollen, ohne die kompletten Personalien bei der örtlichen Polizeibehörde abzugeben und durch den Chip, eben der Tessera, landesweit auffindbar zu sein.
Zugegeben haben viele Ultrà den Bogen der Gewalt nicht nur in den letzten Jahren überspannt und somit dazu beigetragen, dass der Ruf der Ultràgruppierungen in Italien stark gelitten hat. Ist dies jedoch eine Rechtfertigung dafür, eine unwahrscheinlich freiheitsberaubende Fankarte verpflichtend erwerben zu müssen, um seinem Verein die Treue im Stadion zu halten? NEIN!

In Zeiten, in denen ein kritisches, lautes, kreatives Publikum durch ein Publikum mit Eventcharakter ausgetauscht werden soll, gilt es, gerade dann mit all unseren zu Verfügung stehenden Mitteln für unsere Fankultur und die Tradition unseres Vereins zu kämpfen und auf diese stolz zu sein!

In diesem Sinne…
BE PROUD!